Keratitis oder Hornhautentzündung

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Die Keratitis ist eine Entzündung der Hornhaut (Cornea) des Auges.
Die Cornea ist eine durchsichtige Schicht, die das vordere Auge bedeckt.
In der Regel betrifft eine Keratitis ein Auge, sie kann aber auch beidseits auftreten.
Bakterien, Viren, Pilze und Amöben können die Keratitis verursachen.

 

 

Klassifikation der Keratitis

Die Pilzkeratitis wird durch einen Pilz verursacht.
Pilzarten, die eine Keratitis verursachen können, sind:

  1. Fusarium
  2. Aspergillus
  3. Candida

Fusarium und Aspergillus leben in der Umgebung, oft auf Pflanzen.
Pilze der Candida sind Mikroorganismen, die normalerweise auf der menschlichen Haut und Schleimhaut leben.
Auch wenn die Pilzkeratitis eine ernste Erkrankung sein kann, so kommt sie doch selten vor.

Bakterielle Keratitis
Organismen, die am häufigsten eine Keratitis verursachen, sind:

  • Koagulase-negative Staphylokokken
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Corynebacterium spp.
  • Staphylokokkus aureus
  • Streptokokkus spp.
  • Mikrobakterien

Infektionen mit Ulzerationen verursachen folgende Symptome:

  • Augenschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit (Fotophobie)
  • Tränenfluss
  • Verschwommensehen


Marginale oder limbische Keratitis
Es handelt sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Auges auf eine konjunktivale Infektion mit Bakterien, besonders mit Staphylokokkus aureus.
Sie manifestiert sich mit folgenden Symptomen:

  • Konjunktivitis
  • Fotophobie
  • Schmerzen
  • Stauungen im Limbus corneae

Der Limbus corneae (Grenze zwischen Hornhaut und Lederhaut) kann gekennzeichnet sein durch längliche Geschwüre und Hornhautinfiltrate.
Typischerweise verteilen sich die Geschwüre nicht zentral.

Keratitis filiformis
Die Oberflächenzellen der Hornhaut werden von Filamenten gebildet, die, wenn sie abreißen, sehr kleine schmerzende Geschwüre hinterlassen.

Die ulzeröse oder oberflächliche Keratitis betrifft die äußersten Schichten der Hornhaut und wird durch Infektionen, Traumen, Tränenflüssigkeitsmangel oder komplette Lidschlussunfähigkeit verursacht.
Folge dieser Erkrankung ist die mögliche Bildung von schweren Hornhautgeschwüren.

Die interstitielle Keratitis greift die untersten oder innersten Teile der Hornhaut an und kann durch ein Virus oder eine Allergie verursacht sein.

Viruskeratitis
Viren wie das Herpesvirus (Herpes simplex und Herpes zoster) und das Virus, das Chlamydien verursacht, können eine Keratitis hervorrufen.
Zu den häufigsten Arten gehört die durch das Herpes-simplex-Virus verursachte Keratitis. Dasselbe Virus führt auch zu Lippenherpes (Herpes labialis).
Diese Infektion beginnt gewöhnlich mit einer Entzündung der Bindehaut, einer Membran, die das Augenlid und den Teil des Augapfels bedeckt, der mit diesem in Kontakt kommt.
Die nachfolgenden Infektionen werden „Keratitis dendritica“ genannt und sind von einem Läsionsmuster gekennzeichnet, das den Adern eines Blattes ähnelt.
Das Herpes-simplex-Virus kann auch zur Keratitis disciformis führen, das ist eine Entzündung mit Ödembildung im Hornhautstroma. Zu den Symptomen gehört eine gräuliche scheibenförmige Verfärbung.


Wer an einem Herpes-simplex-Virus erkrankt ist, muss aufpassen, denn wenn diese Form der Keratitis nicht behandelt wird, kann sie ernsthafte Folgen haben wie:

  • Sehverlust
  • Hornhautvernarbung
  • chronische Entzündung
  • Glaukom (grüner Star)

Andere Virusarten, die Keratitis verursachen, sind Varizella-zoster-Viren, die mit Windpocken verbunden sind, Herpes zoster und Adenovirus, das Infektionen der oberen Atemwege verursacht.

Die Keratitis nummularis ist eine Viruskeratitis, die durch scheibenförmige weißliche und granuläre Fleckbildungen im Zentrum der Hornhaut gekennzeichnet ist.

Die Keratitis punctata ist eine Hornhautentzündung, die durch kleine gräuliche Pünktchen auf dem Hornhautepithel gekennzeichnet ist.
Nach der ursprünglichen Infektion befindet sich das Virus in einem Ruhezustand und lebt in den Nervenzellen der Haut oder des Auges weiter. Die Reaktivierung kann auf verschiedene Weise erfolgen, dazu gehören:

  • Stress
  • Sonnenlichtexposition
  • Fieber
  • Traumen (Unfälle oder chirurgische Eingriffe)
  • Menstruation
  • Einige Medikamente

Tritt Herpes simplex einmal im Auge auf, infiziert es gewöhnlich Augenlider, Bindehaut (die dünne Schleimhaut der Lidinnenseite und der weißen Bereiche des Auges) und Hornhaut. Selten wird auch das Augeninnere infiziert.

Akanthamöbenkeratitis
Die Akanthamöbenkeratitis ist eine seltene, doch ernste Augeninfektion, die zu dauerhaften Sehverminderungen oder Erblindung führen kann.
Diese Infektion wird durch Amöben oder Protozoen verursacht, den sogenannten Akanthamöben.
Akanthamöben kommen natürlicherweise im Wasser (zum Beispiel in Seen und Ozeanen), im Boden und in der Luft vor.
Was sind die Symptome der Akanthamöbenkeratitis?
Die Symptome der Akanthamöbenkeratitis können den Symptomen anderer Infektionen des Auges sehr ähnlich sein. Dazu gehören:

  • Augenschmerzen
  • Rote Augen
  • Verschwommensehen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • Vermehrter Tränenfluss

Die Symptome können mehrere Wochen und Monate lang bestehen.
Die Akanthamöbenkeratitis verursacht schließlich, wenn sie unbehandelt bleibt, starke Schmerzen bis hin zur Blindheit.

 



 

Wer ist durch Keratitis gefährdet?

Die Akanthamöbenkeratitis kommt bei Menschen, die Kontaktlinsen tragen, häufiger vor. Doch jeder Mensch kann sie bekommen.
Bei Kontaktlinsenträgern können bestimmte Aktionen das Risiko für eine Keratitis erhöhen, zum Beispiel:

  • fehlerhafte Aufbewahrung der Kontaktlinsen;
  • mangelhafte Desinfektion der Kontaktlinsen (zum Beispiel bei Verwendung von Leitungswasser);
  • Schwimmen, Tragen der Kontaktlinsen im Whirlpool oder unter der Dusche;
  • Kontakt mit verschmutztem Wasser;
  • vorausgegangenes Trauma an der Hornhaut.

 

 

Ursachen der Keratitis

Verletzungen. Wenn ein Objekt auf der Oberfläche eines Auges reibt oder in die Hornhaut eindringt, kann auch ohne eine Infektion eine Keratitis verursacht werden.
Außerdem ermöglicht eine Wunde Bakterien oder Pilzen, durch die geschädigte Oberfläche der Hornhaut einzudringen und somit Infektionen zu verursachen.

Verunreinigte Kontaktlinsen. Bakterien, Pilze oder Parasiten, die die Oberfläche einer Kontaktlinse besiedeln, können die Hornhaut nach dem Einsetzen ins Auge kontaminieren und somit eine infektiöse Keratitis verursachen.

Verunreinigtes Wasser. Chemikalien im Wasser, wie sie in Schwimmbecken benutzt werden, können die Hornhaut reizen und eine physiologischenErschöpfung des empfindlichen Gewebes der Hornhautoberfläche (Hornhautepithel) hervorrufen, was zu einer chemischen Keratitis führt.
Diese ist gewöhnlich zeitlich begrenzt und kann von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden andauern.
Doch selbst wenn man in Kontakt mit diesen Bakterien, Pilzen oder Parasiten kommt, infiziert sich eine gesunde Hornhaut nur schwerlich, wenn keine vorausgehende Läsion des Hornhautepithels besteht.
Zum Beispiel kann die Ermüdung des Hornhautepithels durch zu langes Tragen einer Kontaktlinse die Hornhaut anfällig auf Infektionen machen.

 

 

Symptome der Keratitis

Anzeichen und Symptome einer Keratitis und des Hornhautgeschwürs sind:

  • Gerötete Augen
  • Augenschmerzen
  • Tränende Augen
  • Schmerz und Reizung, die das Öffnen der Augenlider behindern
  • Brennen, Juckreiz oder kratzendes Gefühl im Auge
  • Schwellung um die Augen
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • Verschwommensehen
  • Lichtempfindlichkeit (Fotophobie)

 

 

Welche anderen Erkrankungen sind mit einer Keratitis verbunden?

Eine Hornhautinfektion kann durch folgende Krankheiten hervorgerufen werden:

  1. Erkrankungen, die die Augenlider betreffen;
  2. Schilddrüsenerkrankungen;
  3. Rosacea;
  4. ernste systemische Allergien, die die Augen miteinbeziehen;
  5. Autoimmunerkrankungen, besonders rheumatoide Arthritis und Vaskulitis. Sie sind ein Risikofaktor für die Entwicklung von Keratitis und Hornhautverdünnung, die eventuell einen chirurgischen Eingriff erfordern.

 

 

Diagnose der Keratitis

Der Augenarzt diagnostiziert die Keratitis, indem er den Patienten mit einer Spaltlampe untersucht.
Die Auswertung der Krankengeschichte ist bei entzündlichen Erkrankungen immer wichtig.
Um jedoch die Ursache der Keratitis herauszufinden, können einige Untersuchungen wie Bluttests, eine Kultur der Augenflüssigkeit oder auch ein Biopsie erforderlich sein.

 

 Keratitis oder Hornhautentzündung
Keratitis oder Hornhautentzündung


 

Therapie der Keratitis

Die frühzeitige Behandlung durch den Augenarzt ist wichtig, um den speziellen Typ der Keratitis festzustellen und die geeignete Therapie zu wählen.
Wichtig ist, dass der Augenarzt weiß, ob bereits ein Herpes labialis, Windpocken, Herpes zoster oder eine Arthritis vorausgegangen war.
Der Arzt untersucht die Oberfläche der Hornhaut nach kleinen Geschwüren oder anderen Anomalien.
Antivirale Augentropfen werden in der Regel zur Behandlung der Symptome angewendet, wenn sie durch den Herpes simplex Typ 1 oder durch andere Viren verursacht sind, doch diese können sich auch in Zukunft wiederholen, da das Virus im Körper verbleiben kann.
In schwersten Fällen kann der Arzt das kranke Gewebe abtragen, nachdem er betäubende Augentropfen verabreicht hat.
Nach Anlegen eines Augenverbandes kann es erforderlich sein, eine spezielle Kontaktlinse zu tragen, um ein Rezidiv zu vermeiden.

Antibakterielle oder antimykotische Augentropfen können benutzt werden, um die Hornhautinfektion zu behandeln.
Augentropfen mit Kortikosteroiden können zur Verringerung der Entzündung (Schwellung) bei Keratitis notwendig sein.
Werden Kontaktlinsen getragen, kann es erforderlich sein, die Linsen zu ersetzen.
In den Fällen, die durch ein trockenes Auge provoziert werden, ist eine künstliche Tränenflüssigkeit als Gleitflüssigkeit wirksam. Vitaminergänzungsmittel werden in Fällen verschrieben, bei denen der Verdacht eines Vitamin-A-Mangels vorliegt.

Ist die Hornhaut hochgradig verletzt oder ausgedünnt, kann eine Hornhauttransplantation erforderlich sein, um das Sehvermögen wiederherzustellen.
Wichtig ist, daran zu denken, dass eine Keratitis frühzeitig behandelt werden muss, um Risiken einer Komplikation zu vermeiden und es ist möglich, dass man öfter den Augenarzt aufsuchen muss, ehe das Problem wieder vollständig behoben ist.


Therapie der Akanthamöbenkeratitis
Vorbeugung ist stets die beste Vorsorge, denn eine Akanthamöbenkeratitis kann ausgesprochen schwierig zu behandeln sein; tatsächlich ist manchmal die Heilung von dieser Infektion nur durch eine Hornhauttransplantation möglich.

Therapie und Resultate bei Pilzkeratitis
Zur Heilung einer Pilzkeratitis dient ein ärztlich verschriebenes Antimykotikum für mehrere Monate.
Natamycin ist ein lokales ophthalmisches Antimykotikum, das bei oberflächlichen Hornhautinfektionen gut wirkt, vor allem bei solchen, die durch Fadenpilze verursacht sind, wie einige Spezies von Aspergillus und Fusarium.
Sehr ernste und tiefgehende Hornhautinfektionen müssen mit systemischen Antimykotika behandelt werden, zum Beispiel mit Amphotericin B, Fluconazol oder Voriconazol.
Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie keine Besserung bringt, können eine Operation benötigen.

 

 

Wie kann man das Risiko verringern, an Akanthamöbenkeratitis zu erkranken?

Es gibt ein paar einfache Möglichkeiten, die Gefahr zu verringern, an dieser für die Sehkraft gefährlichen Krankheit zu erkranken:

  1. Den Rat des Augenarztes befolgen, was die Pflege der Kontaktlinsen betrifft.
    Nur Produkte benutzen, die von ihm empfohlen werden.
  2. Kein Leitungswasser zur Reinigung von Kontaktlinsen benutzen.
    Nicht mit Kontaktlinsen baden, duschen oder einen Whirlpool benutzen.
    Entschließt man sich, beim Schwimmen die Kontaktlinsen zu tragen, über die gut sitzenden Linsen eine hermetisch abschließende Schutzbrille aufsetzen.
  3. Die Kontaktlinsen über jede Nacht in eine frische desinfizierende Lösung legen. Keine physiologische Lösung zur Desinfektion benutzen, die nicht dafür bestimmt ist.