Diplopie oder Doppelsehen

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Diplopie oder Doppelsehen bewirkt, dass ein einzelnes Objekt in zwei Bildern wahrgenommen wird.
Die zwei Bilder sind in der Regel identisch und ihre mögliche Lage ist:

  1. Vertikal (eins über dem anderen)
  2. Verkippt – eine Kombination von horizontal und vertikal mit einer Drehung
  3. Horizontal (eins neben dem anderen), unterteilt in:
  • Gekreuzte Diplopie, bei der die Bilder des Blickfeldes des rechten Auges nach links verschoben sind (Konvergenz der Sehachsen).
  • Ungekreuzte Diplopie, bei der die Bilder des Blickfeldes des rechten Auges nach rechts verschoben sind (auseinanderstrebende Sehachsen).

Wie funktioniert das Auge?

Um ein einzelnes Bild deutlich zu sehen, ist eine Koordinierung verschiedener Bereiche des visuellen Systems notwendig.
Die Hornhaut (Kornea) ist das durchsichtige Fenster im Auge und für die Fokussierung des Lichts verantwortlich.
Die Linse befindet sich hinter der Pupille und ermöglicht die Fokussierung auf die Retina.
Die Augenmuskeln drehen das Auge.
Die Nerven übertragen die visuellen Informationen von den Augen zum Gehirn.
Im Gehirn gibt es Bereiche, die die visuellen Informationen aus den Augen verarbeiten.
Probleme mit einer dieser Strukturen können Doppelsehen verursachen.

Was sind die Ursachen für Doppelsehen?

Hornhautprobleme
Die abnorme Oberfläche des Auges lenkt das ankommende Licht ab und kann Doppelbilder verursachen.
Der Schaden kann auf verschiedene Weise erfolgen:

  1. Infektion der Hornhaut, wie Herpes zoster;
  2. Hornhautfibrose – kann die Kornea verändern und zu ungleichen visuellen Bildern führen;
  3. Trockenheit der Hornhaut (trockenes Auge) – kann zu Doppelbildern führen.

Patienten mit einer Fraktur des Wangenknochens können nach einem chirurgischen Eingriff eine Diplopie beobachten.


Linsentrübung
Die Katarakt (grauer Star) ist die häufigste Erkrankung der Linse, die zu Doppelsehen führt.
Die Katarakt wird in der Regel durch eine Operation korrigiert.

Muskelprobleme
Ist der Muskel eines Auges geschwächt, kann dieses Auge nicht mehr so leicht bewegt werden.
Die Ausrichtung der Augen in die Richtung, die durch den geschwächten Muskel kontrolliert wird, führt zu Doppelsehen.
Ursachen muskulärer Störungen:

  • Myasthenia gravis – eine Autoimmunerkrankung, die die Muskelstimulation seitens der Gehirnnerven blockiert; die ersten Anzeichen sind oftmals Doppelbilder und Ptosis (hängende Augenlider);
  • Morbus Basedow – eine Schilddrüsenerkrankung, die zu Hyperthyreose führt und die Augenmuskeln betrifft. Morbus Basedow kann zur vertikalen Diplopie führen.

Die Einnahme von Betablockern kann Doppelbilder verursachen.

Nervenkrankheiten
Verschiedene Krankheiten können die Nerven schädigen, die die Augenmuskeln kontrollieren, und dadurch zu Doppelsehen führen:

  • Multiple Sklerose kann jeden Nerv in Gehirn oder Rückenmark betreffen.
    Wenn die Nerven, die die Augen steuern, geschädigt sind, können sie ein Doppelsehen verursachen.
    Oft manifestiert es sich am Morgen nach dem Erwachen.
  • Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine Nervenkrankheit, die zu fortschreitender Schwäche führt. Manchmal zeigen sich die ersten Symptome an den Augen und verursachen Doppelbilder.
  • Unbehandelter Diabetes kann Nervenschäden in einem Auge hervorrufen, die zu Augenschwäche und Doppelbildern führen.

Augenmuskeln,Nervus oculomotorius,Musculus rectus

Gehirnstörungen
Die Nerven, die die Augen steuern, sind direkt mit dem Gehirn verbunden.
Die weitere visuelle Verarbeitung erfolgt im Innern des Gehirns.


Mögliche Gründe sind:

  • Schlaganfall
  • Aneurysma
  • Zunahme des Hirndrucks nach Trauma, Blutung oder Infektion
  • Gehirntumor
  • Kopfschmerzen

Arten von Doppelbildern

Es gibt zwei Arten von Doppelbildern: monokulare und binokulare.

Monokulare Diplopie sind Doppelbilder in nur einem Auge.
Die Doppelbilder bleiben bestehen, auch wenn das andere Auge abgedeckt wird. Der Sehfehler vergeht nicht, wenn man in unterschiedliche Richtungen blickt.
Die monokulare Diplopie kann verursacht sein durch:

  • Astigmatismus
  • Keratokonus
  • Pterygium
  • Katarakt
  • verrutschte Linse
  • Lidgeschwulst
  • Lidschwellung
  • Augentrockenheit
  • Netzhautprobleme

Binokulare Diplopie sind Doppelbilder in Verbindung mit einer Fehlstellung der Augen.
Das Doppelsehen verschwindet, wenn ein Auge bedeckt wird.
Ein Augenmuskelproblem verursacht diese Störung, dazu gehören:

  1. Schielen (Strabismus)
  2. Schädigungen der Nerven, die die Muskeln steuern
  3. Diabetes
  4. Myasthenia gravis
  5. Schilddrüsenerkrankungen (Morbus Basedow)
  6. Traumen an den Augenmuskeln


Physiologische Doppelbilder: Oftmals erscheinen Objekte, die die Person nicht fokussiert (Objekte im Hintergrund) doppelt.
Dieses Sehproblem wird meist nicht erkannt, weil das Gehirn des Patienten diese Störung in der Regel ausgleichen kann.
Klagt ein Kind über diese Sehstörung, handelt es sich meist um eine physiologische Diplopie.

Was sind die Symptome des Doppelsehens?

Doppelbilder können allein, ohne weitere Symptome, auftreten.
Je nach Ursache können Begleitsymptome auftreten, zum Beispiel:

  • Fehlausrichtung eines oder beider Augen (Strabismus)
  • Augenschmerzen bei den Augenbewegungen
  • Schmerzen im Umgebungsbereich der Augen, zum Beispiel an den Schläfen oder Augenbrauen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Schwäche in den Augen
  • hängende Augenlider

Diagnose des Doppelsehens

Diplopie oder Doppelsehen
Diplopie oder Doppelsehen

Anfangstest
Der erste Schritt bei der Diagnose von Doppelbildern ist festzustellen, wer betroffen ist:

  1. beide Augen (binokulares Doppelsehen)
  2. ein Auge (monokulares Doppelsehen)

Sehtest
Zunächst beginnt der Augenarzt mit der Beurteilung des Sehvermögens.
Der Arzt kann darum bitten, die Buchstaben in einem Bild zu lesen, während er die Stellung der Augen untersucht und beobachtet, wie sie sich bewegen.
Er muss auch prüfen, ob sich die Augen koordiniert bewegen (Binokularsehen).

Die Bewertung im Zusammenhang mit der klinischen Vorgeschichte und eventuellen anderen Symptomen sollte zur Feststellung der Ursache der Doppelbilder führen.

Weitere Untersuchungen
Man kann Blutuntersuchungen durchführen.
Bilder des Gehirns oder der Augenmuskeln können erstellt werden durch:

  • ein CT, das eine Serie von Röntgenstrahlen in leicht unterschiedlichen Winkeln aussendet und den Computer zur Auswertung und Darstellung der Daten benutzt;
  • eine Magnetresonanztomographie (MRT), die ein starkes Magnetfeld und Radiowellen benutzt, um detaillierte Bilder aus dem Körperinnern zu erzeugen.

Wie wird Doppelsehen behandelt?

Die Behandlung von binokularen Doppelbildern hängt von der Ursache ab.
Ist eine Krankheit die Ursache, zum Beispiel ein Schlaganfall, muss eine unverzügliche Behandlung im Krankenhaus erfolgen.
Plötzliches Auftreten von Doppelbildern sollte umgehend von einem Arzt untersucht werden.


Mögliche Behandlungsoptionen sind:

  • Durchführung spezieller Augenübungen.
  • Prismenbrillen. Ein Prisma ist ein Gegenstand aus Glas oder Plastik in Form eines Kegels, der Licht bricht.
    Spezielle Prismen, sogenannte „Fresnel-Prismen“, können auf der Brille befestigt werden und sind eine wirksame Methode zur Behandlung von Doppelsehen.
    Fresnel-Prismen bestehen aus dünnen durchsichtigen Plastikfolien.
    Die eine Seite haftet an der Linse der Brille und die andere Seite hat spezielle Rillen, die den Einfallswinkel des Lichts, das ins Auge fällt, ändern.
    Es kann erforderlich sein, die Prismen über ein paar Monate zu tragen.
    Der Winkel kann eingestellt werden, um sich dem Auge anzupassen.
    Funktionieren die Fresnel-Prismen, können Brillengläser mit diesen Hilfsmitteln hergestellt werden.
  • Augenverband. Wird ein Auge verbunden, verspürt man eine sofortige Besserung, doch das ist nur eine kurzzeitige Lösung.
  • Tragen einer opaken Kontaktlinse auf einem Auge.
  • Injektionen von Botulinumtoxin, das sind Medikamente, die die Muskeln lähmen.
    Dieses Medikament kann in einen der Augenmuskeln injiziert werden.
    Das Botulinumtoxin funktioniert wie ein Muskelrelaxans und stellt das muskuläre Gleichgewicht wieder her, um das Auge in die richtige Stellung zu bringen.
    Diese Behandlung hält etwa 12 Wochen an und muss danach wiederholt werden.
    Manchmal wird diese Behandlung langfristig durchgeführt und manchmal dient sie dazu, um zu sehen, ob eine chirurgische Korrektur Vorteile bringen kann.
  • Durchführung einer Operation der Augenmuskeln.

 

Chirurgischer Eingriff bei Diplopie oder Doppelsehen

Die chirurgische Korrektur kann zur Behebung des Strabismus erforderlich sein. Die Operation umfasst die Stärkung oder Schwächung von Augenmuskeln, um das muskuläre Kräfteverhältnis auszugleichen, damit sich das Auge in die gewünschte Position stellt.

Funktioniert ein Muskel nicht effektiv, kann der Chirurg ein Stück davon entfernen. Auf diese Weise wird mehr Kraft auf das Auge übertragen. Übt ein Muskel zu viel Zugkraft auf ein Auge aus, dann muss er geschwächt werden. Er muss vom Auge getrennt und etwas versetzt wieder dort angebracht werden, wo er weniger Kraft ausübt.
Der Eingriff bei Strabismus erfolgt in Vollnarkose.

Manchmal regelt sich eine Schielstellung ohne Behandlung, damit korrigiert sich auch das Doppelsehen von allein.
Das ist vor allem bei Sehproblemen der Fall, die durch einen Schlaganfall verursacht wurden. In den meisten Fällen vergeht der Strabismus nach drei bis sechs Monaten.

Autofahren
Menschen mit Diplopie dürfen nicht Auto fahren. Hinter das Steuer darf man erst wieder, wenn die zuständige medizinische Behörde bescheinigt, dass dies möglich ist.
Jeder Staat hat seine eigenen Gesetze bezüglich der Eignung zum Autofahren.

Prognose

Eine Lähmung des sechsten Hirnnervs aus gefäßbedingten oder unbekannten Gründen löst sich meist in 6-8 Wochen wieder.
Es sind instrumentelle bildgebende Untersuchungen erforderlich, wenn:

  • die Lösung nicht innerhalb von 2-3 Monaten erfolgt,
  • die Krankheit fortschreitet,
  • sich weitere neurologische Anzeichen oder Symptome entwickeln.