Vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) bei Kindern

Vergrößerte (oder hypertrophe) Rachenmandeln, umgangssprachlich als Polypen bezeichnet, entstehen infolge einer Infektion oder einer anderen Störung.
Die Rachenmandeln bestehen aus Gewebe, das mit dem der Lymphknoten am Hals vergleichbar ist, und sie liegen am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen.

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Die Rachenmandeln sind wie die Gaumenmandeln (Tonsillen) aus lymphatischem Gewebe und ihre Aufgabe besteht darin, das Immunsystem beim Kampf gegen Infektionen zu unterstützen.

 

Anatomie

Die Gaumenmandeln (Tonsillen) sind zwei Organe, die auf beiden Seiten hinten im Gaumen angesiedelt sind, die Rachenmandeln dagegen liegen im Rachendach, hinter dem weichen Gaumen.
Die Gaumenmandeln kann man sehen, während die Rachenmandeln nur mit besonderen Instrumenten begutachtet werden können.
Die Rachenmandeln erreichen ihre maximale Größe bei Kindern zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr, dann bilden sich dann langsam wieder zurück.
Beim Erwachsenen sind diese Organe sehr klein geworden oder ganz verschwunden.

 

Klassifikation

Die Entzündung der Rachenmandeln wird nach Ausmaß der Behinderung des Nasenrachens klassifiziert:

Grad 0: keine Behinderung
Grad 1: Behinderung kleiner als 25%
Grad 2: 25% bis 50%
Grad 3: 50% bis 75%
Grad 4: stark vergrößerte Rachenmandeln mit komplettem Verschluss

 

Was sind die Ursachen für vergrößerte Rachenmandeln bei Kindern?


Die Rachenmandeln können aus folgenden Gründen bei der Geburt größer sein, als dies normalerweise der Fall ist:

  1. Bakterielle und virale Infektion
  2. Allergie
  3. Langzeitentzündung
  4. Zystisches Karzinom
  5. Timme-Syndrom (Insuffizienz der Eierstöcke und Nebennieren)

 

Zeichen und Symptome von vergrößerten Rachenmandeln (Adenoide) bei Kindern

  1. Geräuschvolle Atmung
  2. Mundatmung
  3. Rissige Lippen
  4. Näselnde Sprache
  5. Ständig laufende Nase
  6. Trockener Mund
  7. Schnarchen
  8. Mundgeruch
  9. Gestörter Schlaf
  10. Geschwollene Mandeln (Tonsillen)
  11. Fieber
  12. Vermindertes Geruchsempfinden
  13. Vergrößerte Lymphknoten
  14. Verstopfte Nasen

 

Symptome und schwere Störungen, die durch die Vergrößerung der Rachenmandeln verursacht werden

  1. Gewichtsverlust/Entwicklungsstörungen
  2. Nächtliche Atemaussetzer
  3. Nasenbluten
  4. Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)
  5. Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  6. Schwerhörigkeit
  7. Mittelohrentzündung (Otitis)

 

Komplikationen durch vergrößerte Rachenmandeln

  1. Nächtliche Atemaussetzer (eine Nichtbehandlung kann zu Bluthochdruck und Herzproblemen führen).
  2. Die Infektion der Rachenmandeln kann sich bis zu den Ohren ausbreiten und eine Mittelohrentzündung hervorrufen, die das Hörvermögen beeinflussen kann.
  3. Verstopftes Ohr.
  4. Nasennebenhöhlenentzündung.
  5. Infektion im Brustkorb.
  6. Kehlkopfentzündung.
  7. Trockener oder schleimiger Husten.
  8. Erbrechen.
  9. Geschwollene Rachenmandeln können den natürlichen Nasenatmungsweg komplett blockieren.
  10. Bei Kindern können die Polypen eine Positionierung der Zunge nach vorn, das Hervorstehen der oberen Zähne und ein verlängertes Gesicht verursachen.


Zusammenhang zwischen Ohrinfektionen und geschwollenen Rachenmandeln
Personen, deren Rachenmandeln infiziert sind, leiden häufig auch an einer Mittelohrentzündung; Grund ist die
Verstopfung der Eustachischen Röhre – auch Ohrtrompete genannt.
Die Nähe der Rachenmandeln zu dieser Struktur erklärt den Zusammenhang zwischen Polypen und Ohrentzündung.
Die Ohrtrompete ist eine lange, dünne Röhre, die das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum verbindet.
Diese Röhre öffnet sich immer dann, wenn auf den Seiten des Trommelfells unterschiedlicher Druck herrscht.
Durch die Öffnung der Röhre wird der Druck im Mittelohr mit dem Umgebungsdruck kompensiert.
Außerdem kann der Schleim des Mittelohrs über die Ohrtrompete abfließen.
Die Vergrößerung der Rachenmandeln kann zu einer Verstopfung der Eustachischen Röhre führen.
Die Folge ist die Ansammlung von infizierter Flüssigkeit im Mittelohr. Auch die Nasennebenhöhlen können durch die Schwellung verschlossen sein, was den Abfluss des Nasenschleims behindert.
Wer an einer chronischen Entzündung der Rachenmandeln leidet, ist prädestiniert für häufige Mittelohrentzündungen und Atemwegsinfektionen.

 

Kindliche Polypen,Symptome,Mandeln,Eingriff,Operation,wann operierenDiagnose der vergrößerten Rachenmandeln und Untersuchungen

Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund der Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung.
Die Polypen sind bei der Inspizierung des Halses nicht sichtbar, man muss dazu ein Endoskop benutzen.
Der Arzt kann eine Blutuntersuchung anordnen, um die Ursache festzustellen.
Selten wird eine Röntgenuntersuchung oder Magnetresonanz durchgeführt.

 

Behandlung von kindlichen Polypen

Medikamente
Sind Bakterien die Ursachen, verschreibt der Arzt Antibiotika zur Bekämpfung der Infektion.

Bei Verschlechterung des Krankheitszustands verschreiben manche Ärzte kortisonhaltige Mittel (Betnesol oder medizinische Inhalationen mit Clenil), die wegen der Nebenwirkungen jedoch nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden dürfen.

 

Wann ist eine Operation notwendig? In welchem Alter?

Wiederkehrende Infektionen können zu einer Vergrößerung der Rachenmandeln führen.
Das kann bei Kindern und Erwachsenen die Atemwege behindern.
Die Rachenmandeln können bei chronischen Infektionen, die häufige Nasennebenhöhlenentzündungen und Ohrinfektionen verursachen, entfernt werden.
In der Regel werden die Polypen bei Kindern ab dem 7. Lebensjahr entfernt, bei größeren Beschwerden kann der Eingriff jedoch auch früher erfolgen.

Gründe für eine Operation

  1. Nasennebenhöhlenentzündung: Wenn sich die Rachenmandeln vergrößern oder infizieren, entsteht eine Nasennebenhöhlenentzündung mit Bildung von Nasensekretion.
    In diesem Fall kann der Arzt zum Entfernen der Polypen raten.
  2. Ohrinfektion: Vergrößerte oder infizierte Rachenmandeln verursachen zuweilen Ohrenschmerzen.
    Die Infektion beeinträchtigt die Funktionsweise der Ohrtrompete. Die Ärzte tendieren oft zu einer Operation, wenn die Kinder an einer Ohreninfektion leiden.
  3. Verstopfung im hinteren Nasenbereich: Die Rachenmandeln schwellen manchmal derart an, dass sie nächtliche Atemaussetzer, Schnarchen und Mundatmung hervorrufen.
  4. Nächtliches Atemaussetzer: Geschwollene Rachenmandeln sind eine der Hauptursachen für nächtliche Atempausen.
    Deshalb ist der häufigste Grund für die Entfernung der Polypen die Verbesserung des Nachtschlafs und die Vermeidung der nächtlichen Atemaussetzer.
  5. Weitere Symptome: Machen sich Symptome bemerkbar, wie trockener Mund, ständig laufende Nase, rissige Lippen und Mundgeruch, raten die Ärzte zum Entfernen der Polypen.
    Die OP soll Komplikationen vorbeugen, die durch die Vergrößerung der Rachenmandeln entstehen können.
    Bei einer leichten Schwellung werden Antibiotika verschrieben.

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Operatives Entfernen der Rachenmandeln

In der Regel wird die Entfernung der Rachenmandeln (Adenotomie) bei Kindern durchgeführt.
Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose.
Der Chirurg führt eine Mundsperre ein, um den Mund offen zu halten, und entfernt die Polypen mit einem Microdebrider.
Es kann auch ein Messer oder Laser verwendet werden.
Manche Chirurgen ziehen es vor, die Rachenmandeln einfach zu kauterisieren, statt diese zu entfernen, um den Blutverlust zu mindern.
Eines der neuesten Entdeckungen ist ein Instrument, das in der Lage ist Hochfrequenz-Wechselstrom (4-16 Mhz) auszusenden, was das Wegschneiden der Adenoiden und die Koagulation des Blutes ermöglicht, ohne das umliegende Gewebe zu verbrennen.
Die Blutung kann mit Tupfern, Gaze, einem diathermischen Instrument oder durch Kauterisierung gestoppt werden.

Nach der Operation
Der Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde.
Nach dem Aufwachen kann der Patient an Magenschmerzen leiden; auch Erbrechen ist in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff möglich.
1-2 Tage wird das Kind leichte Halsschmerzen haben.
Die meisten Patienten können bereits wenige Stunden nach dem Eingriff wieder essen und trinken.
Das Kind sollte ermutigt werden, nach der OP viel Flüssigkeit zu sich nehmen.
Der Arzt verordnet Antibiotika für 5-10 Tage nach der Operation.
Nach dem Eingriff können Nackenschmerzen auftreten.
Die Nebenwirkungen sind minimal.

 

Komplikationen bei operativer Polypenentfernung

  • Nasale Regurgitation: Diese seltene Komplikation tritt bei Personen mit stark näselnder Stimme auf. In gravierendem Stadium kann ein Rückfluss des Essens durch die Nase erfolgen.
  • Blutung: In seltenen Fällen ist eine Bluttransfusion notwendig.
  • Zweiter Eingriff: Zuweilen kann eine komplexe Operation der Nase oder der Nasennebenhöhlen erforderlich werden.
  • Narkose: Zu den Risiken der Narkose gehören Ruptur der Zähne, Kopfschmerzen und Schwindel. Auch eine Allergie gegen das Narkosemittel ist möglich.
  • Halsschmerzen: Eine selten auftretende postoperative Komplikation sind Halsschmerzen.

 

Natürliche Heilmittel gegen vergrößerte Rachenmandeln

  • Honig und Zitronensaft: Ein Glas lauwarmes Wasser mit einem TL Honig und 2-3 Tropfen Zitronensaft mischen und trinken.
  • Milch und Kurkuma: Einen halben TL Kurkuma-Pulver in ein Glas heiße Milch geben, umrühren und fünf Tage hintereinander einmal täglich vor dem Zubettgehen trinken. Dieses Getränk begünstigt die Heilung von vergrößerten Rachenmandeln.
  • Zwiebeln und Wasser: Aus der Zwiebel den Saft gewinnen und in ein Glas lauwarmes Wasser geben.
    Mit dieser Lösung 4- bis 5-mal täglich gurgeln.
  • Ruhe: Mit geschwollenen Rachenmandeln ist das Sprechen schwierig. Es empfiehlt sich, das Sprechen zu unterlassen.
  • Wasser: Man sollte viel Trinken, um den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen und somit die Heilung der Rachenmandeln zu begünstigen. Erlaubt sind frische Obstsäfte, heiße und kalte Getränke.
  • Zu den natürlichen Heilmitteln gehört das Inhalieren mit schwefelhaltigem Wasser, womit sich die Hypertrophie der Rachenmandeln vermindern lässt.
    Heiße Duschen unterstützen die Heilung. Das Schwimmen im Schwimmbad sollte wegen des Chlors vermieden werden.
  • Ferien in den Bergen oder am Meer tun dem Kind gut, es darf unbesorgt im Salzwasser baden.

 

Ernährung und Diät

Scharfe Speisen und säurehaltige Getränke können negative Auswirkungen haben und sind deshalb zu vermeiden.