Pleuraerguss

Ein Pleuraerguss ist eine Erkrankung, bei der sich eine große Menge an Flüssigkeit in der Pleurahöhle der Lunge ansammelt.

Zwischen den Lungen und der Thoraxwand befindet sich eine dünne Schicht Flüssigkeit.
Diese Flüssigkeit ist wichtig, da sie beim Atmen als Gleitmittel zwischen Thorax und Lungen dient und so Reibung verhindert.

 


 

Lungen,PleuraDer Raum zwischen Thoraxwand und Lungen, in dem sich die Flüssigkeit sammelt, heißt Pleura.
Der Erguss kann einseitig (nur links oder rechts) oder beidseitig auftreten. Man bezeichnet ihn als gekammert, wenn er sich je nach Position des Patienten verlagert.
In diesem Fall wird er als basal bezeichnet, wenn er sich an der Lungenbasis und als apikal, wenn er sich an der Lungenspitze (oberer Bereich) befindet.
Man spricht von einem organisierten Pleuraerguss, wenn sich die Flüssigkeit verändert und zu fibrösem Gewebe wird. In diesem Fall kann er die Atmung behindern.

 

Ursachen des Pleuraergusses

Die Krankheit wird in zwei Typen unterteilt: exsudativ und transsudativ.
Ein transsudativer Pleuraerguss wird durch das Austreten von Flüssigkeit in den Pleuraraum verursacht.
Dieser Austritt kann verschiedene Gründe haben, jedoch ist die häufigste Ursache eine Schwäche des linken Herzventrikels.

 

Transsudativer Pleuraerguss

Häufigste Ursachen für ein Transsudat

  1. Herzinsuffizienz und Herzschwäche (kann sich in diesem Fall zusammen mit dem Pleuraerguss zeigen)
  2. Zirrhose
  3. Hypoalbuminämie
  4. Peritonealdialyse


Weniger häufige Ursachen:

  1. Hypothyreose
  2. Pleuritis
  3. Nephrotisches Syndrom
  4. Mitralstenose
  5. Nach einer Herzoperation (zum Beispiel etwa die Hälfte der Patienten, bei denen eine aortokoronare Bypassoperation durchgeführt wurde)
  6. Lungenembolie (in 80% der Fälle sind es Exsudate, in den restlichen 20% Transsudate)

Seltene Ursachen

  1. Verengung der oberen Hohlvene (meist aufgrund eines Tumors oder von Lungenmetastasen)
  2. Perikarditis
  3. Ovarielles Hyperstimulationssyndrom
  4. Meigs-Syndrom (gutartiger Tumor an den Eierstöcken, Aszites und Pleuraerguss)

 

Exsudativer Pleuraerguss

Der exsudative Pleuraerguss wird durch Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen verursacht.
Die Ursache für diesen Austritt ist eine Lungenkrankheit.

Häufigste Ursachen für Exsudat

  1. Bakterielle Lungenentzündung
  2. Lungenembolie
  3. Tumor (meist Lungenkrebs bei Männern und Brustdrüsenkarzinom (Brustkrebs) bei Frauen. Bei einer Neoplasie handelt es sich meist um einen einseitigen Pleuraerguss).

Weniger häufige Ursachen:

  1. Lungeninfarkt
  2. Autoimmunerkrankungen, vor allem rheumatoide Arthritis und Lupus
  3. Asbestexposition und Mesotheliom
  4. Nieren- und Lebererkrankungen
  5. Pankreatitis
  6. Komplikation bei Myokardinfarkt (Dressler-Syndrom)
  7. Infektionen der Lunge, zum Beispiel Tuberkulose

Seltene Ursachen

  1. Gelbnagelsyndrom, charakterisiert durch gelbe Nägel, Lymphödem, Pleuraerguss und Bronchiektasie
  2. Medikamenten-Nebenwirkungen (zum Beispiel bei Methotrexat, Amiodaron, Nitrofurantoin und Phenytoin)
  3. Virale Infektion (zum Beispiel Herpes zoster, Morbillivirus usw.)
  4. Pilzinfektionen

 

Epidemiologie

In den Vereinigten Staaten werden jährlich etwa 1,5 Millionen Fälle erfasst.
Bei etwa der Hälfte der Krankenhauspatienten mit bakterieller Lungenentzündung entwickelt sich ein parapneumonischer Pleuraerguss.
Ein Empyem (Eiteransammlung) und ein parapneumonischer Pleuraerguss werden hauptsächlich bei Säuglingen und Kindern festgestellt.

 


Symptome des Pleuraergusses

Mögliche Anzeichen für einen Pleuraerguss sind:

  • Engegefühl in den Lungen
  • Brustschmerz (nicht immer)
  • Kurzatmigkeit oder Schnaufen
  • Husten
  • Fieber mit Empyem (wenn eine Lungenentzündung die Ursache ist)
  • Schluckauf
  • Dyspnoe (Atemnot)

 

Diagnose des Pleuraergusses

Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung
Der Arzt muss folgende Fragen klären:

  1. Wurde ein Gewichtsverlust bemerkt, der auf einen neoplastischen Erguss hinweisen könnte?
  2. Weisen die Finger eine nikotinähnliche Färbung auf?
  3. Sind sogenannte Hippokrates-Finger (Trommelschlegelfinger) zu bemerken?
  4. Gibt es rheumatische Veränderungen?
  5. Ist der Patient kurzatmig?
  6. Sind die Lymphknoten vergrößert?

Wenn der Erguss einseitig und beachtlich ist (mindestens 1 Liter), ist die Beweglichkeit auf dieser Thoraxseite eingeschränkt.

Palpation: Die Brust dehnt sich auf der Seite des Ergusses weniger aus. Eine Abweichung der Luftröhre ist feststellbar.
Wenn die Lunge nicht kollabiert ist, wird die Trachea zur betroffenen Seite abgelenkt.
Der Stimmfremitus kann verringert sein.

Perkussion: Der Erguss erzeugt bei der Perkussion ein dumpfes Geräusch.

Auskultation: Das Atemgeräusch ist bei einem Erguss abgeschwächt oder fehlt ganz.
Bei einem Pleuraerguss geht die Stimmresonanz bis auf den oberen Bereich verloren. Dieses Phänomen wird Ägophonie genannt und erinnert an das Meckern einer Ziege.

Der erste Schritt bei der Diagnose ist eine einfache Röntgenaufnahme des Thorax. Um das Vorhandensein überschüssiger Flüssigkeit zu bestätigen, werden ein Ultraschall, ein CT oder beide durchgeführt.
Mit dem Ultraschall kann die Größe des Ergusses festgestellt werden.
Bei einer Asbestexposition können Verkalkungen und Pleuraplaques festgestellt werden.

Im zweiten Schritt wird eine Probe der Pleuraflüssigkeit analysiert.
Die Entnahme der Flüssigkeit für die Analyse wird therapeutische Thorakozentese genannt.
Die entnommene Menge kann von 30 ml bis zu 2 Litern betragen.
In einigen Fällen wird die Flüssigkeit durch Einführen einer interkostalen Pleuradrainage entfernt.
Wenn der Patient an Krebs leidet, wird die Flüssigkeit durch Einführen einer Thoraxdrainage entfernt. Dieser Vorgang kann länger als einen Tag dauern.

Auswertung der Pleuraflüssigkeit

  1. Exsudat mit einem Eiweißgehalt > 30 g/l;
  2. Transsudat mit einem Eiweißgehalt < 30 g/l.

Analyse der Pleuraflüssigkeit
Ist die Flüssigkeit klar, kann die Ursache eine Tuberkulose, eine Leberzirrhose mit Aszites, ein Trauma (zum Beispiel eine Rippenfraktur mit Pneumothorax) oder eine Neoplasie sein.
Ein blutiger Erguss kann von einem Tumor oder Trauma herrühren.
Eine fettähnliche Flüssigkeit kann auf ein geplatztes Lymphgefäß oder eine Pleuritis zurückzuführen sein.
Enthält die Flüssigkeit Eiter, können eine bakterielle Infektion oder ein Abszess die Ursache sein.

Differentialdiagnose
Der Arzt muss ausschließen:

  • Q-Fieber
  • Herzinsuffizienz
  • Lungenödem
  • Zwerchfellverletzungen
  • Verletzung der Speiseröhre
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Lungenkrebs
  • Pankreatitis
  • Rheumatoide Arthritis

Maligner Pleuraerguss
Hierbei handelt es sich um eine Atemwegs-Komplikation, die bei Krebspatienten auftreten kann.

Ursachen
Die Langzeiteinnahme von Medikamenten bei Chemo- oder Strahlentherapie kann einen malignen Pleuraerguss verursachen.

Krankheiten, die diese Komplikation verursachen, sind:

  • Brustkrebs
  • Leukämie (Blutkrebs)
  • Lymphom (Tumor, der das Immunsystem schädigt)
  • Lungenkrebs

 

Lunge,PleuraergussWie behandelt man?

Wenn der Erguss von einer Tuberkulose oder einer anderen Infektion verursacht wird, verschreibt der Arzt Antibiotika.
Bei einer Pleuritis kann der Arzt eine Antibiotikatherapie und Kortikosteroide (Medikamente auf Kortisonbasis) verschreiben.
Die Genesungszeiten hängen vom Zustand des Patienten und von der Therapie ab.
Auch in der Schwangerschaft können Kortikosteroide und Antibiotika eingenommen werden, sofern der Arzt sie verschreibt.
Wenn Krebs die Ursache ist, kann eine Chemo- oder Strahlentherapie notwendig sein.
Wenn der Erguss auf eine Herzinsuffizienz zurückzuführen ist, müssen Diuretika für die Behandlung der Krankheit eingesetzt werden.

Pleurapunktion. Eine große Flüssigkeitsmenge in der Pleurahöhle (massiver Erguss) muss dräniert werden, um die Symptome zu lindern.
Dieses Verfahren wird Pleurapunktion (Thorakozentese) genannt. Dabei wird ein dünnes Kunststoffrohr zwischen den Rippen in die Thoraxwand oder in die Pleurahöhle eingeführt.
Die angesammelte Flüssigkeit wird mit einer Spritze, die mit dem Rohr verbunden wird, abgesaugt.

 

Chirurgischer Eingriff

Wenn die Krankheit erneut auftritt (was meist bei einem malignen Tumor geschieht), kann der Arzt eine Pleurodese (Verklebung der beiden Pleurablätter) empfehlen.
Bei der Pleurodese wird zuerst die Flüssigkeit aus der Brust drainiert und dann eine spezielle chemische Substanz (steriles Talkum oder Bleomycin) in den Pleuraspalt eingebracht.
Das chemische Produkt bewirkt eine Reizung der Pleurablätter, wodurch diese verkleben.
Somit ist der Zwischenraum versiegelt und es kann sich dazwischen keine Flüssigkeit mehr sammeln.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei Pleuraerguss ist die Pleurektomie, die operative Entfernung der Pleura.
Ein pleuroperitonealer Shunt wird gesetzt, über den die Pleuraflüssigkeit in die Bauchhöhle abfließen kann.

 

Ist ein Pleuraerguss tödlich oder rezidivierend? Prognose

Die Dauer des Ergusses hängt von der zugrunde liegenden Krankheit ab.
Wenn der Patient rechtzeitig behandelt wird, ist das Risiko von Komplikationen geringer.
Der Erguss kann wiederkehren. In diesem Fall kann der Arzt eine Pleurodese empfehlen.
Der Erguss ist gefährlich, aber nicht ansteckend, auch wenn manche Infektionen auf eine andere Person übertragen werden können.